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Das Halliwick Konzept
Mit Dank an Sabine Findeisen
Johan Lambeck
Physiotherapeut
Leiter des Halliwick-Hydrotherapy Institute
NL Malden
Einteilung
Einleitung
In diesem Artikel wird das Halliwick Konzept beschrieben. Halliwick ist ursprünglich als eine Methode in Form eines Stufenplan entwickelt wurden, um Menschen mit einer Funktionseinschränkung / Behinderung das Schwimmen zu lehren.
Dieser Stufenplan ist auch als das Zehn-Punkte-Programm bekannt. Es enthält eine Unterteilung, die auf die Übungstherapie im Wasser abgestimmt ist und somit auch therapeutische Möglichkeiten zuläßt.
Die Beschreibung beider Aspekte und ihrer praktischen Möglichkeiten wird vor allem durch eine Betrachtung der zugrundeliegenden Theorie erfolgen.
Die benutzten Begriffe aus der Hydromechanik werden in diesem Artikel nicht erklärt, die Lektüre der betreffenden Bücher wird dem Leser hierbei jedoch sicher weiterhelfen.
Anmerkung:
- Obwohl im Halliwick Konzept viel mit "Schwimmern" gearbeitet wird, soll in diesem Text nur das Wort "Patient" benutzt werden.
- Die englische Terminologie wird auch hier verwendet, weil sie auch in den Niederlanden (Deutschland, Schweiz) üblich ist.
- In der Literatur sind sowohl die Worte "Methode" als auch "Konzept" gebräuchlich. In diesem Text wird allein das Wort "Konzept" verwendet, angesichts des offiziellen Untertitel der Internationalen Halliwick Association: "Förderer des Halliwick Konzeptes des Schwimmen und der Rehabilitation im Wasser".
Die Entwicklung
Das Halliwick Konzept wurde 1964 durch den Hydromechaniker James McMillan entwickelt. Er gab 1950 an der "Halliwick Schule für geistig behinderte Mädchen" in London seine ersten Schwimmstunden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keine Erfahrungen Kinder, die eine körperliche Funktionseinschränkung haben bzw. eine geistige Behinderung haben, das Schwimmen zu lehren. Durch einfaches Probieren stellte sich heraus, dass der Mangel an Stabilität das grösste Problem bei der ersten Gruppe Mädchen war, die seinen Unterricht besuchten. Mit Hilfe seiner Kenntnisse über die Hydromechanik war er in der Lage, Grundsätze über die Stabilität von Körpern im Wasser auszuarbeiten (Nicol, Schmidt-Hansberg & McMillan, 1979). Bereits nach einigen Wochen hatte er Resultate. Die betreffenden Mädchen verbesserten ihre Kopf- und Rumpfbalance, sowie die Mundkontrolle, und sie waren nach der Meinung der Lehrkräfte auch selbstbewusster gewurden. Die Folge war, dass die Schulleitung den Wunsch aussprach, so viele Schüler wie möglich am Schwimmen teilnehmen zu lassen. Dies führte im Jahre 1951 zu einem ersten Kurs für Betreuer und die Errichtung eines Schwimmclubs: "The Halliwick Penguin Swimming Club". 1952 gab es in London auch noch verschiedene andere Clubs, die sich zu der "Association of Swimming Therapy (AST)" zusammenschlossen.
McMillan´s Konzept war in erster Instanz nicht therapeutisch, sondern mehr für die Freizeit gedacht. Das therapeutische Potential des Schwimmen war allerdings deutlich spürbar, deshalb fiel die Wahl auf den Namen AST. In England ist Halliwick noch immer eine Schwimmmethode, die in den AST-Clubs geübt wird (Mackinnon, 1997). Nach dem Zehn-Punkte-Programm werden angepasste Schwimmstile angelernt, aber auch Schauvorführungen und Wettbewerbe sind wichtige Bestandteile dieser Aktivitäten.
Die internationale Verbreitung von Halliwick begann 1963, als McMillan gefragt wurde, ob er in Bad Ragaz in der Schweiz einen Kurs geben würde. Dies führte letztendlich zu seiner Anstellung als Leiter eines Hydrotherapie-Projektes von 1974 bis 1979. Aus diesem Projekt entstanden die Water Specific Exercises. Ab diesem Moment wurde das Halliwick Konzept weltweit angewendet, vor allem im Bereich der Neurologie und Pädiatrie (Gamper, 1995; Lambeck, 1997; Reid-Campion, 1997). Die Überwachung und Weiterentwicklung des Konzepts liegt bei der International Halliwick Association and Foundation.
Die Kennzeichen
In diesem Abschnitt sollen die Kennzeichen des Halliwick Konzepts, zugeschnitten auf das Zehn-Punkte-Programm, besprochen werden.
Das Ziel im Halliwick Konzept ist es, das Schwimmen so selbständig wie möglich zu machen, sowohl im als auch außerhalb des Wassers. McMillan wollte dies auf der Basis der General System Theory erreichen. Diese Theorie aus den 30iger Jahren ist im Grunde ein ganzheitlicher Ansatz aus den damaligen Behandlungstechniken. Frei übersetzt spricht man von der Nutzung von Teilinformationen aus den für das Schwimmen wichtigen Disziplinen, die zusammen die Basis für die Praxis von Halliwick bilden. Daraus folgte, dass McMillan mit verschiedenen Medizinern, medizinischem Hilfspersonal und Lehrkräften zusammenarbeitete, um Informationen aus der Pathologie, Kinesiologie, Didaktik und Psychologie mit der Hydromechanik zu verbinden. In Tabelle 1 stehen einige Basisbegriffe aus dem Halliwick Konzept, die aus dieser Zusammenarbeit entstanden. 1986 wurde ihr Ergebnis während eines internationalen Kongresses an der Katholischen Universität Nijmegem wissenschaftlich unterstrichen (Lambeck, 1990).
- Der Patient nimmt immer aktiv an den Übungen teil.
- Es werden keine Auftriebshilfen verwendet.
- Es wird meistens in einer 1-zu-1 Betreuung gearbeitet.
- Unterstützung findet nicht am Kopf statt.
- Viele Aktivitäten finden in Gruppen statt.
- Schwimmen ist ein Mittel zur Selbständigkeit, aber kein Ziel.
- Gleichgewicht ist vor allem abhängig von dem spezifischen Gewicht und der Körperform.
Tabelle 1: Basisbegriffe des Halliwick Konzeptes
Der Lernprozess
Um im Wasser selbständig zu werden, müssen einige Fertigkeiten erlernt werden. Die Struktur des Halliwick Konzeptes ist von Beginn an so ausgerichtet, dass das Erlernen so effektiv und effizient wie möglich stattfindet. Natürlich zwingen die, durch die Erkrankungen verursachten, Einschränkungen der Lernmöglichkeiten zu Anpassungen in Kommunikation und Didaktik.
Bewegen im Wasser setzt voraus, dass die hydromechanischen Eigenschaften bekannt sind und beherrscht werden. Dadurch wird eine Reaktion des Körpers auf ihre Effekte ermöglicht Dies kann nur von einer sicheren Gleichgewichtssituation ausgehen, die auf einer guten manuellen Betreuung des Therapeuten basiert. Eine Situation sollte dem Konzept "körperlich kontrolliert und geistig erwünscht" folgen.
Der Therapeut hat hier eine wichtige Aufgabe, vor allem wenn der Patient nicht "wie von selbst" lernt, z.B. durch Störungen in der Koordination, der Wahrnehmung, dem Verstand oder durch Schmerz.
Das Lernen von Haltungen (Gleichgewicht, Rumpfkontrolle) und Bewegungen sollte anfänglich mit einer geringen Anforderung an die Koordination geübt werden.
Die Koordination paßt sich an extreme Umstände an. Vor allem die Auftriebskraft bzw. scheinbare relative Schwerelosigkeit ist einer der wichtigsten Faktoren. Die Auftriebskraft wird eigentlich erst richtig bemerkt, wenn der unterste Lungenflügel untergetaucht ist, dies entspricht ungefähr der Höhe von Th 11. Geht man aus diesem flachen in das tiefe Wasser, verliert man plötzlich den festen Halt und eine rasche Anpassung ist nötig. Die Kopfkontrolle wird wichtiger und die Aufsatzpunkte zwischen den Füssen und dem Grund werden weniger fest. Die unteren Extremitäten können so weniger gut zur Stabilisierung genutzt werden. Wenn dieser Übergang zu schnell geht, reagiert der Patient mit "Stressverhalten": Festhalten an sicheren Punkten, Zunahme der Muskelspannung (eventuell mit einem Übermaß an Flexion oder Extension), Ausbreiten der Arme, Schwimmbewegung mit den Händen und Auftreten von vegetativen Reaktionen. Die Relation zwischen der Tiefe des Untertauchens und dem Ausmaß des beschriebenen Stressverhaltens wird in einer Angstkurve wiedergegeben. Diese Kurve zeigt die schnelle Zunahme der Auftriebskraft zwischen circa 60 und 75% der Körperhöhe.
Sowohl bei Menschen mit einer Behinderung als auch bei Invaliden sollten viele, verschiedene Bewegungserfahrungen angeboten werden, um zweckmäßige und zielgerichtete Fertigkeiten zu erreichen. Die Bewegungserfahrungen werden in einem Programm von zehn aufeinanderfolgenden Schritten dargestellt, die zur einer Schwimmlage führen. Es ist einleuchtend, dass es nicht jedem möglich ist das vollständige Programm durchzuführen bzw. zu durchlaufen. Es ist von Fall zu Fall vom Grad der Störung und der Zielstellung des Therapeuten sowie des Patienten abhängig. Die zehn Schritte sind in drei Phasen klassifiziert, die in dem untenstehenden senso-/ psychomotorischen Lernprozess, in der rechten Spalte der Tabelle 3, genannt werden.
Am Ende des Programms hat der Patient im Prinzip Fertigkeiten erreicht, deren Veränderung durch die in Tabelle 2 genannten Elemente erzielt wurde.
| Neue Fertigkeit | Beherrschte Fertigkeit |
| Variable Ausführung | Konstante Ausführung |
| Weniger genaue Ausführung | Präzise Ausführung |
| Niedrige Ausführungsgeschwindigkeit | Hohe Schnelligkeit |
| Viel Kokontraktion | Geschmeidige Ausführung |
| Viel visuelle Kontrolle | Wenig visuelle Kontrolle |
| Sichtbare posturale Anpassung | Keine sichtbare posturale Kontrolle |
| Fehlende Wendigkeit | Flexibilität |
Tabelle 2: Kennzeichen der Bewegungsausführung, anhand denen ablesbar ist, in welchem Maß eine Fertigkeit beherrscht wird (Smits-Engelsman & van Tuijl, 1999)
Das Erlangen des gewünschten Maßes an Fertigkeiten findet allmählich, der Loslösung in Stufe 1 des Programmes folgend, statt. Eine Aufzählung dieser Prinzipien findet bei der Besprechung der Loslösung statt.
| 1. Geistige Anpassung und Loslösung | Geistige Anpassung |
| 2. Sagitale Rotation (Kontrolle) | |
| 3.Vertikale Rotation (Kontrolle) | |
| 4. Laterale Rotation (Kontrolle) | |
| 5. Kombinierte Rotation (Kontrolle) | Gleichgewichtserhaltung |
| 6. Auftrieb / Geistige Umkehrung | |
| 7. Gleichgewicht in Ruhe | |
| 8. Gleiten mit Turbulenzen | |
| 9. Einfache Fortbewegung | Bewegung |
| 10. Elementare Schwimmbewegung | |
Tabelle 3: Das Zehn-Punkte-Programm und die Aufteilung in drei Phasen des Lernprozesses
Diese drei Phasen werden wie folgt beschrieben.
Geistige Anpassung
Dies bedeutet, dass man im Stande ist, auf eine neue Umgebung, Situation oder Aufgabe zu reagieren. Es wird gelernt, während jeder Aktivität im Wasser selbständig, automatisch und gezielt zu reagieren. Die Selbständigkeit zeigt sich als körperliche Stabilität und (geistiges) Wagnis oder Mut.
Gleichgewichtserhaltung
Dies beschreibt die Möglichkeit, eine bestimmte Position auf eine kontrollierte Weise zu halten oder zu verändern. Die anfängliche Kontrolle wird mit peripheren Zusatzbewegungen nicht effizient sein. Während dieser Phase wird der Patient ein grosses Maß an zentraler Haltungskontrolle erreichen, die sich in einer effizienten Rumpfkontrolle äußert.
Bewegung
Das ist die Phase, in der der Patient lernt, eine effektive und effiziente (Schwimm-) Fertigkeit auszuführen.
Das Zehn-Punkte-Programm
Die praktische Auswirkung des senso- und psychomotorischen Lernprozesses stellt sich im Zehn-Punkte-Programm dar, das zu einer ersten Schwimmlage, der elementaren Halliwick Bewegung führt. Sie ist ein Ausgangssystem für andere Schwimmstile, deren Ausführung jedoch den Rahmens dieses Artikels überschreiten würde. Die zehn Stufen aus Tabelle 3 werden dabei in der genannten Folge angeboten, gehen jedoch allmählich ineinander über. In einer bestimmten Einheit können durchaus mehrere Punkte geübt werden, für die im Folgenden die wichtigsten Merkmale beschrieben werden.
1. Geistige Anpassung und Loslösung
Diese erste Phase ist die Gewöhnung an das Wasser und die allmähliche Verminderung der Hilfe durch den Therapeuten. Alle Bewegungsformen finden in der vertikalen Position statt. Die Betonung liegt dabei auf dem Erfahren von Gleichgewichtsproblemen, die durch drei hydromechanischen Effekte verursacht werden: Auftriebskraft, Strömung und Wellen. Siehe Figuren 1,2 und 3 (Abschnitt Halliwick in Bilder und Text)
Ganz speziell wird in dieser Phase auch die Atemkontrolle, mit dem Schwerpunkt der adäquaten Ausatmung geübt. Dadurch sollte es zur Gewohnheit werden, zu blasen, sobald der Mund unterhalb der Wasseroberfläche kommt. Dies verhindert nicht nur das Verschlucken, sondern sorgt auch dafür, dass der Kopf auf kontrollierte Weise nach vorne gebracht wird, wodurch die Wahrscheinlichkeit des Gleichgewichtsverlustes verringert wird.
Singen, Reden und Blasen sind viel genutzte Formen der Atemkontrolle, deren ausgiebiges Erlernen ein unbedingtes MUSS ist. Vor allem Lieder helfen, einen Rhythmus in das Atemholen zu bringen. Rhythmus ist ein beliebtes Hilfsmittel bei dem Herausfordern von Bewegungen.
Der Rhythmus soll gut an die Tatsache angepasst werden, dass Bewegungen im Wasser langsamer verlaufen als im Trockenen.
Atemkontrolle unterstützt die Kopfkontrolle, aus der sich wiederum die Rumpfkontrolle anbahnt. Dem Patienten wird hierbei durch den Therapeuten geholfen, der kontinuierlich die Handfassung variieren sollte. Dadurch wird verhindert zuviel Hilfe zu geben und die Notwendigkeit der aktiven Kontrolle einzuschränken, und gleichzeitig dem Gleichgewichtsverlust des Patienten durch zu wenig Hilfestellung vorgebeugt. Während des Lernprozesses die körperliche als auch geistige Unterstützung allmählich abgebaut. Mit letzterer ist gemeint, dass der Patient Feedback über die Verbesserung des Gleichgewichts erhält, dieses auch spürt und langsam mehr Mut bekommt.
Der Prozess der allmählichen Verminderung der Hilfe wird als Loslösung bezeichnet und wird an andere Formen der Stabilitätsverringerung gekoppelt. Ziel ist es, dass der Patient lernt, die Balance bzw. das Gleichgewicht in einer kinetischen so offen wie Bewegungskette zu halten. Die Möglichkeiten zur Erschwerung durch Veränderungen von einigen Variablen sind in Tabelle 4 wiedergegeben.
| "einfaches Gleichgewicht" | Erschwerung |
| Stützen am Schultergürtel | Hilfe nach caudal verlegen |
| Stützen an den Händen / Unterarmen | Hilfe zur Mitte verlegen |
| viele Stützpunkte anbieten | wenige / keine Stützpunkte anbieten |
| Wassertiefe um Th 11 | Wassertiefe über Th 11 |
| größtmöglicher Radius | Radius verkleinern |
| größtmögliche Standfläche | kleine Standfläche |
| kompensatorischen Handbewegungen | ohne Handbewegungen |
| keine Turbulenzen um dem Körper | Turbulenzen |
| keine Wellen | Wellen |
| keine metazentrischen Effekte | metazentrische Effekte |
Tabelle 4: Möglichkeiten, während der Loslösung die Balance zu erschweren
Therapeutische Möglichkeiten in diesem Programmabschnitt sind das Üben der Mund- / Atemkontrolle (Lippenschließung, Vokalisieren, Desensibilisieren, Anspannen des Diaphragmas) sowie der Kopf- und Rumpfbalance (Normalisieren der Muskelspannung, Loslösung, Anbahnen von Aufrichtungsreaktionen, Symmetrie).
Da diese Phase notwendig ist, um die Eigenschaften des Wasser kennenzulernen, können auch "funktionelle" Möglichkeiten wie Laufformen, Springen und Umdrehen etc. verwendet werden.
Diese Variationen sind in "typische Halliwick" Spielformen näher beschrieben (Dorpmans & Lambeck, 1992; Reid-Campion, 1997).
2. Sagittale Rotation (Kontrolle)
Rotationskontrolle ist ein wichtiger Bestandteil bei Halliwick, deren erste Form eigentlich in Punkt 1 schon beschrieben wurden. Die Anbahnung der Ausatmung und der Kopfbalance in ventraler Richtung ist der Beginn der vertikalen Rotationskontrolle, die Rotationskontrolle um die Tiefenachse in vertikaler Position wird jedoch viel geübt (Figur 4). In einem späteren Stadium, wenn die Rückenlage erreicht ist, spielt die sagittale Rotation eine weniger wichtige Rolle.
Alle seitlichen Verlagerungen, zum Beispiel das Drehen im Kreis, fallen unter diesen Punkt.
Die sagittale Rotation kann therapeutisch genutzt werden, um die Lateroflexion in der Wirbelsäule aktiv zu mobilisieren, das Greifen und Gleichgewicht in die seitliche Richtung zu vergrößern, die Auffang- und Gleichgewichtsreaktionen anzubahnen und die Wirbelsäule in seitliche Richtung zu stabilisieren.
3. Vertikale Rotation (Kontrolle)
Dies ist die Kontrolle der Haltungen und Bewegungen um die Breitenachse des Körpers. Die Bewegung, um die es geht, ist die Rotation vom Stand / Sitz zur Rückenlage und zurück, siehe Figur 5.
Es wird anfangs nicht zur Bauchlage gedreht, da in dieser Position das Atemholen problematisch ist. In der Rückenlage sind Mund und Nase frei, auch wenn nur wenig oder keine Schubbewegung gemacht wurde.
Wir sollten bedenken, dass sich eine Person in einer horizontalen Position wie ein Boot verhält: Drehungen finden besonders schnell um die Längsachse statt. Das Gefühl vom Verlust des Gleichgewichts kann Anlaß für massive (pathologische) Gleichgewichtsreaktionen sein, gepaart mit einem Übermaß an Flexion oder Extension.
Deutlich wird dies durch den Verlust des festen Untergrundes, Einschränkungen in der Kommunikation (Ohren unter Wasser), Veränderung des normalen visuellen Inputs, Angst vorm Verschlucken und das schnelle Rotieren um die Längsachse. Vertikale Rotation sollte nun auch allmählich stattfinden: ein wenig nach hinten lehnen und wieder aufrichten kommen, weiter bis zur vollständigen Rückenlage und wieder zurück. Einige Prinzipien aus der Loslösung gelten auch bei diesem und allen folgenden Punkten.
Besondere Beachtung wird wiederum auf die vom Kopf ausgehende Steuerung in Kombination mit der Atemkontrolle gelegt.
Vertikale Rotation ist eigentlich eine Form der selektiven Extension. Das Üben aller Komponenten der Extension kann therapeutisch genutzt werden, so zum Beispiel das Positionieren des Kopfes und Rumpfes, Einstellen der Scapula in Depression, Strecken der thorakalen Wirbelsäule, Einstellen einer guten Beckenstellung, Exzentrisches Anspannen der Bauchmuskeln, Verhindern einer assoziierten Reaktion und das Wahren der Symmetrie.
4. Laterale Rotation (Kontrolle) (Figuren 6 und 7)
In diesem Punkt wird die Kontrolle der Rotation um die Längs- bzw. Symmetrieachse des Körpers erlernt. Im Prinzip finden diese Aktivitäten in der Rückenlage statt, ihre Vorbereitung kann jedoch auch in der vertikalen Position erfolgen.
Zunächst wird dabei an die Wahrung der Symmetrie gedacht. Die wichtigste Erschwernis ist die Verkleinerung des Radius um die Längsachse: Arme nah an den Körper und die Beine schließen. Die Steuerung des Gleichgewichts findet vom Kopf und Rumpf aus statt.
Letztendlich soll sich der Patient um 360 ° drehen können und wieder in eine neue Rückenlage gelangen. Das bedeutet, dass der Patient beim Verlust des Gleichgewicht wieder in eine Atemposition kommen muss. Vor allem diese Fertigkeit ist aus mehreren großen Zwischenschritten aufgebaut, deren letzte Phase alle Elemente dieser Rotation wieder zusammengefasst. Dieser analytische Ansatz ist nötig, weil die laterale Rotation eine weitgehende Unabhängigkeit von Kopf, Schultergürtel und Beckengürtel während einer schnellen Bewegung mit deutlichen Problemen in der Atemkontrolle verlangt (die Nase befindet sich beispielsweise in einer unvorteilhaften Position).
Laterale Rotation ist das Anbahnen von Aufrechtreaktionen und selektiven Rotationen zwischen Kopf, Schultergürtel und Beckengürtel. Die wichtigsten Muskeln, die bei dieser Rotation aktiv sind, sind die schrägen Bauchmuskeln. Eine Funktionsverbesserung dieser Muskelgruppen ist damit auch immer ein wichtiger therapeutischer Teil und dient zur Stabilisierung zwischen Schulter- und Beckengürtel. Funktionell ist dies sowohl beim Schwimmen, als auch beim Laufen im Wasser und im Trockenen wichtig.
5. Kombinierte Rotation (Kontrolle)
In diesem Punkt werden die vorherigen Rotationen kombiniert. Es gibt zwei Möglichkeiten:
- vertikale und laterale Rotation, als eine Schraube vorwärts
- sagittale und laterale Rotation, als eine halbe Schraube seitwärts
Einerseits ist die kombinierte Rotation eine Erschwerung, andererseits ist dieser Punkt leicht zu erlernen, wenn die vorangegangen Rotationen gut beherrscht werden.
Ziel ist weiterhin, bei einem Verlust des Gleichgewichts wieder in die Rückenlage zu kommen und in dieser Position das Atemholen fortzusetzen zu können.
Eigentlich fallen alle Rotationen im Wasser unter die kombinierte Rotation. Wir bewegen uns immer dreidimensional und sollten deshalb auch ständig eine dreidimensionale Rotationskontrolle haben. Patienten mit einer körperlichen Störung haben immer eine -lokale- Veränderung des spezifischen Gewichts und / oder der Körperform mit der Folge eines speziellen Rotationsproblems.
Dieses spezifische Problem verstärkt die Notwendigkeit des Erlernen einer kombinierten Rotation.
Die durch die Störung verursachte Rotationsproblematik (in einer statischen Situation) heißt im Halliwick Konzept "Basic Imbalance" oder "Handicap Effect". Einige deutliche Beispiele über die Effekte der Rotation um eine bestimmte Achse sind in Figur 4 zu sehen.
Die sagittale Rotation bleibt unerwähnt. Patienten mit einem lateralen Rotationsproblems in Rückenlage haben jedoch ein sagittales Rotationsproblem im Sitzen oder Stehen.
Wenn sich ein Patient mit einer bestimmten Basic Imbalance bewegt, sollte er eigentlich eine kombinierte Rotation beherrscht.
6. Auftrieb / Geistige Umkehrung
In diesem Punkt lernt der Patient, dass er im Wasser nicht sinken kann, sondern immer wieder zur Wasseroberfläche zurückkommt. Viele Menschen haben Angst vorm Sinken, also davor nicht zu jedem Zeitpunkt einatmen zu können. Mit einfachen Aktivitäten kann der Patient jedoch merken, dass es eigentlich fast unmöglich ist, sich auf den Boden zu setzen und dort zu bleiben. Wenn dieser Punkt beherrscht wird, kann der Patient als "wasserfest" betrachtet werden: unsinkbar, Kontrolle über alle Rotationen, immer wieder in eine Position kommen können, um zu atmen und in der Lage sein, sich zum Rand zu bewegen. Es ist natürlich noch keine Sprache vom Schwimmen.
7. Gleichgewicht in Ruhe
Dieser Punkt ist eine statische Phase. In den vorherigen Phasen war viel Bewegung und "range of motion" entdeckt wurden. Nun wird der Schwerpunkt auf die Balance und Stabilität in verschiedenen Haltungen gelegt. Die Patienten sollen mit einer zentral gesteuerten Motorik reagieren können, Gleichgewichtsreaktionen müssen also allein in axialen Strukturen vorhanden sein. Die gleichgewichtsstörenden Reize sind wiederum von hydromechanischer Art: Veränderung des Grades des Untertauchens, Strömungen um den Patienten und Wellen. Andere Erschwerungen sind in Tabelle 4 aufgeführt.
Die schwierigste Position ist die Rückenlage, wobei der Patient im Allgemeinen unterstützt wird; siehe Figur 8.
Dieser Punkt wird genutzt, um in allen Fällen Stabilisierung und Gleichgewicht, ausgehend von Rumpf, Becken- und Hüftregion, zu üben. Gleichgewicht in Ruhe bildet im Zehn-Punkte-Programm eigentlich die Brücke zu den Water Specific Exercises und wird als Hemmung umschrieben, siehe die folgenden Abschnitte.
8. Gleiten mit Turbulenzen
Gleiten mit Turbulenzen ist die "dynamische" Folge des vorherigen Punktes. Der Patient liegt in der Rückenlage und kontrolliert alle Rotationen (die Hüften bleiben gestreckt, der Kopf befindet sich in einer Mittelposition, der Körper bleibt symmetrisch liegen und es finden keine abduzierende Bewegungen statt).
Der Therapeut zieht den Patienten im Kielwasser mit. Die Erschwerung hinsichtlich Punkt 7 ist die massive Strömung um den Körper herum und die resultierenden Effekte auf das Gleichgewicht.
Die therapeutischen Möglichkeiten dieses Punktes sind eingeschränkt, aber sie können in der Anbahnung von einer dynamischen Rumpfbalance gesucht werden: während des Bewegens durch den Raum soll "zentral" die Haltung gewahrt werden.
9. Einfache Fortbewegung
Wenn das Gleiten mit Turbulenzen gelingt, wird eine Mithilfe des Patienten als eine erste Form des selbständigen Schubs gefordert. Hier geht es mehr um eine adäquate Handhabung der Haltung während einer zielgerichteten peripheren Bewegung, als um einen tatsächlich guten Schub. Es wird eine symmetrische Bewegung mit den Händen gewählt, stets unter Wasser und nah am Becken. Wenn die Kopf- und Rumpfkontrolle bestehen bleibt, wird in die erste richtige Schwimmlage übergegangen.
Therapeutisch gelten die gleichen Möglichkeiten wie im vorherigen Punkt. Der Unterschied besteht darin, dass es nun Handbewegungen sind, die die Rumpfstabilität stören. Dieser Punkt kann funktioneller als das Gleiten mit Turbulenzen genützt werden.
10. Elementare Schwimmbewegungen
Die Schwimmlagen werden alle mit den Armen ausgeführt, es wird gerudert. Kennzeichen ist eine symmetrische Armbewegung: die Kontra-Bewegung findet schnell über Wasser statt, das Handeintauchen erfolgt bei 120° Abduktion. Es wird diese Schwimmlage vorgezogen, weil eine symmetrische Armaktivität leichter zu kontrollieren ist als eine asymmetrische / alternierende Armaktivität oder eine Schubbewegung mit den Beinen.
Diese Schwimmlage hat noch mehr Einfluss auf den Rumpf und fordert dadurch mehr Rumpfaktivität heraus als im vorherigen Punkt. Im therapeutischen Sinn kann das Schwimmen immer genutzt werden, um die lokale und allgemeine Ausdauerfähigkeit zu trainieren.
In den folgenden Schritten werden auch andere normale oder angepasste, Schwimmlagen angeboten und es kann auch zur Bauchlage übergegangen werden.
Water Specific Exercises (WSE)
Dieses Therapiesystem basiert ebenso wie das Zehn-Punkte-Programm auf den hydromechanischen Effekten des Körpers und den hieraus folgenden Möglichkeiten für die Entwicklung von Übungen (Cunningham, 1997; Gamper, 1995; McMillan 1977). Die Water Specific Exercises sind vor allem für Erwachsene geeignet (Paeth, 1984), wobei in diesem System keine aktuellen Übungen beschrieben werden, wie bei der Bad Ragazer Ringmethode oder bei Watsu.
Das WSE-System ist ein entscheidungsfähiges System, das die Elemente oder Erfahrungswerte in die Vorbereitung, Ausführung und Auswertung der Hydrotherapie einfliessen lässt.
Die Elemente sind:
- Das Behandlungsziel
- Die Art der Behandlung
- Die Rotationsachsen
- Das Übungsmuster
- Die Ausgangshaltung
- Die Wassertiefe
- Die Behandlungstechnik
Das Behandlungsziel
Es werden bei den WSE 7 Übungsteile oder Behandlungsindikationen beschrieben:
- Muskelkräftigung
- Mobilisierung (Dehnung des Bindegewebes)
- Schmerzreduktion
- Reduktion der Spastik
- Anbahnung der Gleichgewichts- und Haltungsreaktionen (AGHR)
- Verbesserung des Ausdauervermögens (ADV)
- Verbesserung des geistigen Anpassungsvermögens z.B. Mut, Willen
Diese Ziele sind allgemein formuliert und sollen soweit möglich, anhand spezifischer Regeln aus der Physiologie näher erläutert werden.
Muskelkräftigung im Wasser folgt dem isokinetischen Prinzip, d.h. die Winkelgeschwindigkeiten sind auf circa 150°/Sekunde, die zu leistende Kraft ist auf circa 50% beschränkt (wenn keine festen Punkte oder Widerstandsgeräte gebraucht werden). Dies hat Konsequenzen auf die Anzahl der Wiederholungen, die Länge der Pausen und die Anzahl der Serien.
Die Verbesserung des -aeroben- Ausdauervermögens erfolgt nach den diesbezüglichen Regeln in Hinsicht auf Intensität, Dauer, Frequenz sowie Anzahl der benutzten Muskeln.
Das Herausfordern der Gleichgewichts- und Haltungsreaktionen ist ein sehr allgemeines Thema, das beinahe alle Zielstellungen in der neurologischen Hydrotherapie umfaßt. Spezifische Ausführungen können beispielsweise das Üben von selektiver Extension, Symmetrie, Kopfbalance, geteilte Armbewegungen, Standbeinphase, Hüftextension etc. sein.
Die Art der Behandlung
Es werden 4 Arten beschrieben:
- Prätraining oder Vorbereitung auf die WSE: sie besteht aus den ersten 6 Punkten des Zehn-Punkte-Programms. Diese dienen dazu, den Patienten wasserfest zu machen, damit eine spezifischere Übungstherapie möglich ist und der Patient sich beispielsweise nicht verschluckt und wieder zum Stehen kommen kann, wenn er das Gleichgewicht verloren hat.
- Hemmung: Das ist die Haltungskontrolle, bei der auf einer bestimmten Stelle im Wasser eine Haltung beibehalten werden muss. Haltung (=Unterwasservolumen) und Basis verändern sich nicht. Die Haltung wird hier als das Volumen unter Wasser definiert, denn durch dieses Volumen wird die Auftriebskraft bestimmt und dadurch die Rotationskontrolle, siehe die nähere Auslegung dieses Punktes im Zehn-Punkte-Programm und dem Kapitel über die Hydromechanik.
- Anbahnung: Dies bedeutet, dass sich das Unterwasservolumen ändert oder es bei gleichbleibendem Untertauchen bewegt wird. Im ersten Fall ändert sich das Verhältnis zwischen Schwerkraft und Auftriebskraft (Metazentrischer Effekt), beispielsweise durch das Aufstehen aus der Sitzhaltung. Im zweiten Fall werden Strömungen (Turbulenzen) und Wellen, beispielsweise durch das Laufen in einer bestimmten Wassertiefe verursacht. Beide Fälle sind Effekte auf den Körper des Patienten, aber jeweils anderer Art.
- Dynamik: Dies ist die Kombination von Reizen, genannt bei der Anbahnung in Punkt 3, beispielsweise Springen oder Laufen vom Flachen ins Tiefe. Es müssen nun mehr hydromechanische Variablen kontrolliert werden. Im Prinzip sind dynamische Übungen schwieriger als die Übungen aus der Anbahnung.
Die Rotationsachsen
Die Rotationsachsen geben das bedeutendste Rotationsproblem des Patienten wieder. Dies ist bereits bei der kombinierten Rotationskontrolle im vorherigen Kapitel angesprochen worden. Diese Basic Imbalance spielt eine Rolle bei der Entscheidung, welche Rotationskontrolle am meisten beachtet werden sollte:
- Vertikale Rotation
- Laterale und Sagittale Rotation
- Kombinierte Rotation
Das Übungsmuster
Das Übungsmuster als Resultat der genutzten Behandlungstechniken umschreibt global, in welcher Form der Patient aktiv ist. Die Behandlungstechniken können symmetrisch oder asymmetrisch genutzt werden, der Patient kann durchaus symmetrisch oder asymmetrisch aktiv ist. Wenn beispielsweise die manuellen Turbulenzen durch den Therapeuten symmetrisch hinter dem Rücken des Patienten angewendet werden, muss eine symmetrische ventrale Muskelaktivität zu sehen sein.
Die Ausgangshaltung
In der WSE werden 7 Ausgangshaltungen beschrieben, um Hilfe bei der Wahl der genutzten Positionen in einem bestimmten Übungsteil anzubieten. Die Ausgangshaltungen sind: Stand, "Sitz wie auf einem Stuhl", Kniestand, Sitz auf dem Boden / der Stufe, Rückenlage, Rückenlage mit Fersen auf dem Boden und Bauchlage.
Die Wassertiefe
Die Wahl der Wassertiefe ist von wesentlicher Bedeutung, und das nicht allein nur für das prozentuale Gewicht, dass getragen wird; siehe das Kapitel über die Hydromechanik. Die Wassertiefe, also die Tiefe des Untertauchens bei der vertikalen Position, bestimmt auch das Maß, in dem die Gleichgewichtskontrolle von den unteren Extremitäten oder auch vom Kopf aus stattfinden kann.
Th 11 (siehe Angstkurve im vorherigen Kapitel) ist eine wichtige Grenze:
- Wassertiefen über Th 11 (Th 11 +) werden genutzt, um die Kopfbalance anzubahnen
- Wassertiefen unter Th 11 (Th 11 -) werden genutzt, um die Aktivitäten in den unteren Extremitäten anzubahnen
- Das Gebiet um Th 11 wird als Übergangsgebiet bezeichnet, und wird übrigens durch viele Patienten faktisch automatisch als die beste Wassertiefe gewählt, um das Gleichgewicht zu halten. Diese Zone wird als Th 11 +- angegeben.
Die Behandlungstechniken
Dies ist das wichtigste Element des entscheidungsfähigen Systems, hiermit arbeitet der Therapeut. Diese auf der Hydromechanik basierenden Techniken umfassen:
- Auftriebskraft: Einfach im Wasser zu sein und eine relative Verringerung der Schwerkraft zu erfahren kann schon eine Behandlungstechnik sein. Bei Halliwick wird dies nicht viel angewandt, da diese Technik passiv ist, aber sie wird bei der Reduktion des Schmerzes und der Spastik benötigt. Eigentlich sprechen wir hier über die physiologischen Effekte des Untertauchens. Diese Technik wird als "Auftriebskraft dominant" bezeichnet.
- Metazentrische Effekte: Veränderung der Verbindung Schwerkraft - Auftriebskraft, beispielsweise wenn ein Patient eine Hand aus dem Wasser hebt oder den Kopf in Extension bringt.
- Turbulenzen widerstehend: Der Therapeut kann manuelle turbulente Strömungen mit Zugwirkungen verursachen. Der Patient wird aufgefordert, diesem Zug aktiv zu widerstehen.
- Turbulenzen unterstützend: Der Therapeut nutzt nun die Turbulenzen, um dem Patienten zu helfen, das Gleichgewicht bei drohendem Gleichgewichtsverlust zu wahren oder eine Bewegung einzuleiten.
Der große Vorteil der drei genannten Techniken besteht darin, dass kein manueller Kontakt nötig ist. Dadurch wird ein Anlehnen des Patienten und damit die Nutzung verkehrter Bewegungsketten vermieden.
- Wellen: Jede Bewegung verursacht Wellen. Wenn die Bewegung gestoppt wird, bewegen sich die Wassermassen noch weiter und haben damit Effekte auf das Gleichgewicht des Patienten. In den WSE gebrauchten Aktivitäten sind beispielsweise Step-Stop: Nach einem (großen) Schritt hält der Patient beispielsweise das Gleichgewicht im Schrittstand. Die Wellen sorgen für eine Instabilität in der Hüftregion, die der Patient stabilisieren soll.
Patientenbeispiele
| Hüftendoprothese links mit ventro-dorsaler, muskulär zu stabilisierender Instabilität | Athetose mit kontinuierlichen Bewegungen der Gliedmaßen und des Kopfes | Aspezifische tiefe Rückenbeschwer-den, verstärkt durch Extension |
| Behandlungsziel | Muskelkräftigung | AGHR (symmetrisch) | Schmerzreduktion |
| Art der Behandlung | Dynamisch | Anbahnung | Hemmung |
| Rotationsachse | Breitenachse | Kombinierte Achse | Breitenachse |
| Übungsmuster | symmetrisch | asymmetrisch | symmetrisch |
| Ausgangshaltung | tand: Sprung-Stop | Sitz (auf dem Schoss) | Rückenlage, gestützt |
| Wassertiefe | TH 11 - | Th 11 + | Th 11+ |
| Behandlungstechnik | Wellen | Turbulenzen unterstützend | Auftriebskraft dominierend |
Tabelle 5: Beispiele der WSE bei drei Erkrankungen
Die Beispiele sind vereinfacht dargestellt, um das Entscheidungssystem zu verdeutlichen, in der Realität sollten Behandlungsteile jedoch nicht so einseitig sein. Dementsprechend sollten pro Behandlungseinheit mehrere Schemata genutzt werden, wie es in dem untenstehenden Beispiel verdeutlicht wird.
| Hüftendoprothese links: die Glutealmuskulatur ist abgeschwächt, die Hüftextension ist eingeschränkt und der Patient hat noch Angst, zu belasten |
| Behandlungsziel | Mobilisieren | Trauen zu belasten | Muskelkräftigung |
| Art der Behandlung | Anbahnung | Anbahnung | dynamisch |
| Rotationsachse | Breitenachse | Tiefenachse | Breitenachse |
| Übungsmuster | Symmetrisch | Asymmetrisch | Symmetrisch |
| Ausgangshaltung | Rückenlage, Fersen am Boden | Stand | Stand: Sprung-Stop |
| Wassertiefe | Th 11 + | Th 11 +/- | Th 11 - |
| Behandlungstechnik | Auftriebskraft | Metazentrik | Wellen |
Tabelle 6: drei Beispiele von WSE bei einer Erkrankung
Obenstehende Schemata können in der Kombination verschiedener Teile in einer Einheit benutzt werden, aber auch, um die Elemente in der Zeit während der fortschreitenden Therapie zu beschreiben.
Es verlangt einige Übung, um das Entscheidungssystem richtig zu gebrauchen, vor allem bei der Arbeit mit einem Team von Therapeuten. Das System ist auch nicht allumfassend, nicht alle Informationen rund um den Patienten werden beschrieben.
Es ist jedoch sehr gut bei der Planung, Ausführung und Auswertung der Therapie nutzbar, diese Notiermethode ist kurz und ausreichend und deshalb gut als Überblickssystem für Kollegen geeignet.
Jedes Schema ist eigentlich eine Übung. Wenn alle Elemente miteinander kombiniert werden (Behandlungsteile, Arten der Behandlung und so weiter), dann kommen wir auf 17.640 Kombinationen oder verschiedene Übungen.
Zusammenfassung
In diesem Artikel wurden das Zehn-Punkte-Programm und die Water Specific Exercises (WSE) aus dem Halliwick Konzept beschrieben. Beide Teilabschnitte basieren auf dem Gebrauch von hydromechanischen Effekten auf den Körper. Diese Effekte dienen vor allem dem Gleichgewichtstraining, wobei die Reaktionen des Körpers therapeutisch bei der Behandlung von Erkrankungen des neuro-motorischen Systems genutzt werden. Die WSE sind speziell als Methode für die Übungstherapie im Wasser entworfen worden, das Zehn-Punkte-Programm als Schwimmmethode hat jedoch auch große therapeutische Möglichkeiten. Beide Teilabschnitte des Halliwick Konzeptes sind vor allem für die Pädiatrie und Neurologie geeignet.
Studienfragen
Nenne die therapeutischen Möglichkeiten der sagittalen Rotationskontrolle.
Versuch einige Grundsätze der Loslösung, genannt in Tabelle 4, darzulegen.
Wie kann der Patient die vertikale Rotation zur Rückenlage verlangsamen?
Beschreibe das Rationelle für den Gebrauch des Halliwick Konzeptes bei einem Patienten mit einer Hemiplegie nach einem Apoplex.
Literaturliste
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